Eröffnungspanel – Podiumsdiskussion ZWCM 2026

„Freie Medien als Teil der Demokratiebildung“

Die Rolle der Freien Medien, Medienkompetenzvermittlung & demokratische Bildungsperspektiven

29.10.2026, 19:00 – 21:30 Uhr – Merz Akademie, Stuttgart
Community Media sind auf Partizipation gebaut, integrieren Menschen und deren Themen. Sie bilden Räume, in denen (marginale) Gruppen hörbar und sichtbar werden, und sind gleichzeitig Orte des Community Building. Lokaljournalismus bekommt damit eine andere Bedeutung als der Bericht über die sprichwörtliche Baumarkt-Eröffnung. Wer informiert ist, mischt sich verstärkt ein. Wer sich einmischt, findet Gehör. Die basisdemokratische Organisation der Community Media ist ein Ort, an dem demokratische Kompetenzen erworben werden. Das eigenständige Produzieren von Journalismus verändert die Perspektive auf Medien und das Zeitgeschehen – zu einem selbstbewussteren Umgang mit Medien und zu Partizipation statt Populismus.

Journalismus, gerade auch der von Freien Medien, wird angegriffen und hinterfragt. Fördermittel werden reduziert, nicht nur weil die Kassen knapp sind, sondern auch, weil die Notwendigkeit von gemeinnützigem Journalismus angezweifelt wird. Dabei sieht die OSZE die Existenz von Community Media als notwendigen Bestandteil des Medienpluralismus und damit von Demokratien. Der Umgang mit Medien hat sich in der gesamten Gesellschaft in den letzten 30 Jahren radikal verändert. Zeitungen und Rundfunkanstalten verlieren Anteile, Menschen greifen vermehrt on demand auf Medieninhalte zu. Dabei versinken klassische Medienangebote im Strudel der „Kostenlos“-Kultur. Gleichzeitig scheint Social Media ein Versprechen einzulösen, welches Freie Radios mit Brechts Radiotheorie verbindet – die Auflösung der Unterscheidung zwischen Sendern und Empfängern. Demgegenüber bilden Freie Radios einen Debattenraum, in dem nicht nur nebeneinanderher gesendet wird. Redaktionelle Verantwortung und Sichtbarkeit der Gruppen untereinander sorgt für übergreifende Diskurse, beispielsweise die Wahrnehmung intersektionaler Diskriminierungen.

Teilhabe und Inklusion setzen technische und organisatorische Zugänglichkeiten voraus, die nach wie vor nicht selbstverständlich sind. Dazu gehören barrierearme Webseiten, Sprachen, Räume und technisches Equipment. Offene Oberflächen mit niederschwelligem Zugang bereitzustellen, ist für die international vernetzten Freien Radios eine Chance und eine Aufgabe zugleich. Wie kann diese Arbeit weiterhin finanziert, weiterentwickelt, bereitgestellt und in Bildungsarbeit eingebunden werden? Freie Radios haben schon lange einen Fokus auf diese Themen, aber knappe Ressourcen. Vor uns liegt noch ein weiter Weg hin zu dem Ziel einer inklusiven Struktur.

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